Deutscher Aikido-Bund e.V.

einziger vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannte Fachverband für Aikido

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„Situationsbezogen“

Das Thema „Baustellen“ scheint sich im vergangenen Jahr wie ein roter Faden durch die Bundeswochenlehrgänge des DAB gezogen zu haben. Nach den Um­bauarbeiten im Leistungszentrum Herzo­genhorn gab es auch in der Landessport­schule Thüringen in Bad Blankenburg eine große Baustelle. Dort richtete eine Havarie einen großen Wasserschaden an. Durch die nun nötigen Reparaturarbeiten war eine der Sporthallen nahezu komplett gesperrt. Keine guten Startbedingungen für den ersten BWL III, der nicht auf dem Herzo­genhorn, sondern in Thüringen stattfand.



Aber der Reihe nach. Mitte September trafen sich 33 hoch graduierte Aikidoka, um im thüringischen Bad Blankenburg unter der fachkundigen Anleitung der beiden Bundestrainer Alfred Heymann und Karl Köppel (beide 7. Dan Aikido) zu lernen und zu üben. Die Teilnehmer waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, vom hohen Norden bis zum tiefen Süden, aus Ost und West; aus fast jedem Landesver­band waren Aikidoka vertreten. Viele Teil­nehmer kannten sich von früheren Lehr­gängen, aber auch die „Neuen“ wurden schnell integriert. Bedingt durch die Gra­duierungsvoraussetzung (mindestens 2. Dan Aikido) war das Durchschnittsalter der Teilnehmer recht hoch; kein Teilnehmer war unter 30 Jahren alt. Dies tat aber der Trainingsintensität keinen Abbruch.
Diesmal umfasste der Wochenlehrgang nicht wie üblich sieben Tage, sondern nur fünf. Das war der Verlegung des Lehrgan­ges nach Bad Blankenburg und der damit verbundenen organisatorischen Verände­rung geschul­det. Aber auch in fünf Tagen mit je drei Trai­ningseinheiten kann man eine Menge Aikido üben. Wir be­schäftigten uns in erster Linie mit technischen Inhalten, die zum Prüfungs­programm der höheren Dan­grade gehören, deren Vermittlung aber bei anderen Lehr­gängen meist zu kurz kommt. Hier hatten wir reichlich Gelegen­heit, um kontinuierlich an der Verbesserung dieser Techniken zu arbeiten.
Großer Raum wurde dem Üben der 3. und 4. Kata gegeben. Hier zeigte sich fühl­bar, dass ein längeres, kontinuierliches Üben den Prozess der Verinnerlichung deutlich voranbringt. Alle Teilnehmer spür­ten, wie sich ihre persönliche Kata verbes­serte. Auch das Üben der Waffentechniken stand auf dem Programm. Es wurden Techniken mit und gegen den Stab sowie die Abwehr von Messerangriffen geübt. Selbst das Bu-jutsu – also das Führen eines bewaffneten Angreifers mit einer Waffe –, ein sonst selten geübtes Fach aus dem Programm zum 5. Dan, fand seinen Platz im Lehrgang. Beide Bundestrainer brillier­ten mit altbekannten und neuen Techniken, jeder Teilnehmer wurde individuell betreut und korrigiert. Dabei wurden wir immer wieder ermahnt, uns der jeweiligen Situa­tion entsprechend angemessen zu verhal­ten und zu reagieren. Der Begriff „situati­onsbezogen“ wurde so zu einem geflügel­ten Wort dieses Lehrganges.
Durch die schon erwähnte Havarie hat­ten wir leider keine große zusammenhän­gende Mattenfläche zur Verfügung. Viel­mehr waren Matten in zwei benachbarten Räumen aufgebaut, sodass wir also in zwei räumlich getrennten Gruppen trainierten. Gezeigt wurde immer auf einer Matte, zwischen den Übungssequenzen gab es also immer eine kleine Völkerwanderung. Diese spielte sich jedoch schnell ein, sodass es keinen Einfluss auf den Trainingsbetrieb gab, und immerhin konnten die Matten dadurch während des gesamten Lehrganges liegen bleiben, ein durchaus angenehmer Begleiteffekt.
Am Ende des Lehrganges fand auch eine Danprüfung statt. Da sich nur ein Prüfling der hochrangigen Prüfungskom­mission stellte, war zwar die Gesamtlänge der Prüfung überschaubar, der Kandidat und sein Uke waren jedoch pausenlos ge­fordert. Nach einer anstrengenden guten Stunde konnte Thomas unter dem Beifall der vielen Zuschauer seine Urkunde zum 4. Dan Aikido in Empfang nehmen. An die­ser Stelle noch einmal „herzlichen Glückwunsch“.
Ich bin natürlich als Angehöriger des Ai­kido-Verbandes Thüringen und langjähriger Gast der Sportschule Bad Blankenburg nicht ganz objektiv, glaube aber im Namen aller Teilnehmer zu sprechen, wenn ich sage, dass es ein sehr gelungener Lehr­gang war. Herzlichen Dank an die beiden Bundestrainer für ihr geduldiges Lehren und das stete Eingehen auf all unsere Fra­gen und technischen Probleme sowie an das Team der Landessportschule für sein fleißiges Wirken vor und hinter den Kulis­sen. Ich freue mich schon auf den nächs­ten BWL III, der voraussichtlich in zwei Jahren stattfinden wird.

Dirk Bender,
Aikido-Verband Thüringen e. V.

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