Deutscher Aikido-Bund e.V.

einziger vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannte Fachverband für Aikido

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Es gibt immer einen Weg

Das Dojo wird aus allen Nähten platzen! So viel war mir schon vor Ablauf der Anmel­defrist klar. In diesem Jahr würde die Be­teiligung am traditionellen Nikolauslehr­gang im Lübecker Judo-Club e. V. alle bis­herigen Rekorde sprengen. Bundestrainer Karl Köppel, der die weite Reise aus Aalen in die Hansestadt nicht scheute, bewirkte im norddeutschen Raum quasi eine Völkerwanderung. 120 Leute wollten zu uns kommen. Ein paar weniger wurden es dann doch, bedingt durch die saisonale Grippe. Als Thema hatten wir „effektiv angreifen – sinnvoll reagieren“ gewählt. Karl setzte es wunderbar um. Allein schon zu Beginn des Lehrgangs lief mir ein Schauer über den Rücken, als ich sah, wie sich auf drei Sei­ten in unserem großen Dojo die Teilnehmer zum Angrüßen aufgestellt hatten.
Karls Aufwärmgymnastik passte sich dezent der Fülle im Raum an und ließ uns dieselbe dabei vergessen. So ging es die ganzen zwei Tage. Niemand verletzte sich, niemand rollte ineinander. Karl hat eben ein erfahrenes Auge und er weiß genau, bei welchen Techniken man die Gruppe besser teilt.
Um uns dazu zu bringen, natürlich und dabei kräftig anzugreifen, übten wir zu zweit und zu dritt Schlagangriffe. Ziel war ein mit Luft gefülltes Plastikkissen. Das machte ordentlich Lärm und viel Spaß. Aber das blöde Ding ließ sich einfach nicht kaputt hauen. Dafür fiel man dann aber wie von Zauberhand. Das Ganze nannte sich Shiho-nage aus Yokomen-uchi bzw. Irimi-nage aus Shomen-uchi. Wie passten bloß 60 Karussells in unser Dojo?
Richtig frustrierend war es dann, als man den Stab nehmen wollte, der einem vor der Nase stand. Ich packte fest zu, Carsten musste doch loslassen – und schwupps, flog ich wieder durch die Luft. Aikido funktioniert also doch „von selbst“?
Wir übten ohne Unterlass, aber mit Kaffeepause. Danach ging es weiter mit dem Überraschungssortiment. Nichts kom­plett Neues für Dangrade könnte man den­ken – und doch war alles irgendwie neu bzw. anders.
Vieles erinnerte mich ans Kendo, einiges ans Karate: agieren immer aus der Mitte heraus, reagieren, den Körper schützen, stets aufmerksam verfolgen, was Nage bzw. Uke vorhat, sich nicht aufgeben, nachfassen, wenn der erste Angriff fehlge­schlagen ist. Dann hat alles Sinn, was in den Techniken steckt. Wenn Ukes Ellen­bogen nach der Umlenkung für Ude-osae auf mich zukommt, dann muss ich Tenkan machen, sonst habe ich eine Beule. Instinktiv reagierte nun die Erinnerung des Körpers, der Reflex: „Weg hier!“ Und schon lag die Angreiferin auf der Erde und lachte auch noch: „Aha. So geht das also!“ Und so ging es die ganze Zeit. Der Euro fiel centweise. Karls Aikido begeisterte uns.





Meister und zukünftige Meister


Am Abend gab es dann neben einem Buffet ein kleines Rahmenprogramm. And­reas hatte eine Powerpointshow für uns zusammengestellt. Fast alle Aikidoka unse­res Vereins, die in diesem Jahr in Sachen Aikido unterwegs gewesen waren, hatten Fotos geschickt und Andi stellte eine Welt­reise in Form eines Bilderreigens zusam­men. Unsere Jugendlichen – fleißige Lehrgangsbesucher – berichteten vom Samu­raicamp und von ihrem Besuch bei einem direkten Schüler O-Senseis (Maruyama Sensei); Jan erzählte von seinem Besuch in Iwama und zeigte Bilder vom Dojo, vom Aiki-Schrein und das obligatorische Bild mit dem Doshu; wir erzählten aus Frankreich, vom Herzogenhorn, von unserem engli­schen Gast Alister Gillies, von den Danprüfungen uvm.
So, wie es in der Technik immer einen Weg gibt, mit der Kraft zu arbeiten, gibt es immer einen Weg, Menschen überall auf der Welt über das gemeinsame Aikidotrai­ning kennen zu lernen. Auch auf dem Lehrgang bot sich so vielfach die Gelegen­heit, zu schwatzen und mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen. Einige nutzten die Gelegenheit und sprachen mit unseren französischen Gästen, die sich leider am Sonntag schon wieder auf den Heimweg ins Elsass machen mussten.
Die Kinder, die im Dojo übernachtet hatten, standen Sonntag mit müden Gesichtern auf der Matte, aber wer abends strahlt und sagt: „Ich bin so glücklich!“, darf auch morgens verschlafen aussehen.
Nach zwei Stunden Aikido waren alle zufrieden und während Karl seine Heim­reise antrat, konnten wir noch erfolgreiche Kyu­prüfungen abnehmen. Ein ereignisrei­ches und schönes Wochenende.

Frauke Drewitz,
Lübecker JC e. V.

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