Deutscher Aikido-Bund DEUTSCHER AIKIDO-BUND e.V.

Nach eigentlich mehr als zwei Jahren gefühlter Zeit machte sich der KSV Herne wieder auf den Weg nach Arcachon (Anm. d. Red.: siehe Artikel im letzten aa S. 18), um der Einladung zu dem nunmehr fünften Freundschaftstreffen mit dem Cercle d'Aïkido Traditionnel nachzukommen. Pünktlich um 7 Uhr morgens ging es von den Flottmannhallen in Herne aus los. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, wie ellenlang sich die Fahrt mit dem Bus nach Arcachon ziehen würde, dann wären wir wohl lieber geflogen. Nach siebzehn Stunden Fahrt kamen wir gegen 24 Uhr endlich in unserem Hotel an, immer mit dem Damoklesschwert über uns, dass der Busfahrer die Fahrt wegen Fahrzeitüberschreitung hätte abbrechen müssen.

Am nächsten Morgen wurden wir pünktlich von unseren Freunden Sophie und Jacques Valère vor unserem Hotel abgeholt. Die Begrüßung fiel nach zwei Jahren Abstinenz auf beiden Seiten entsprechend warmherzig aus und mit Umarmungen und Küsschen wurde ganz nach französischer Lebensart nicht gespart. Nach dem vertrauten Sich-willkommen-Heißen ging es dann gleich ins Dojo nach Le Teich. Dort hatte der Cercle d'Aïkido Traditionnel den Lehrgang mit Horst Glowinski vorbereitet. Im Vorfeld hatte es so großen Zulauf gegeben, dass die Teilnehmerzahl begrenzt werden musste. Dennoch standen über 130 Aktive auf der Matte.

Die erste Trainingseinheit begann pünktlich um 9.30 Uhr mit der offiziellen Begrüßung durch Jacques Valère, welcher uns bereits im Jahr 2005 bei seinem Besuch in Herne zu sich eingeladen hatte. Der Präsident des Cercle d'Aïkido Traditionnel, Jean-Claude Rodriguez, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen die deutschen Gäste mit einer Ansprache aufzunehmen, die das freundschaftliche Verhältnis deutlich hervorhob. Nach ausgiebiger Rede begann dann das Training unter Leitung von Horst Glowinski, oder besser: Maître Horst. Die erste Trainingseinheit beinhaltete Techniken ohne Waffen. Der Schwerpunkt bei der Ausführung lag auf dem Einsatz des Zentrums und der Atemkraft. So steigerte Horst Glowinski durch Zentrumsarbeit nach und nach die Dynamik der Techniken, was die Teilnehmer auf der Matte ganz schön ins Schwitzen brachte. Die hohe Teilnehmerzahl und nicht minder hohe Außentemperaturen sorgten ebenfalls für Atemnot. Trotz der großen Fülle auf der Matte konnten alle Teilnehmer in einer Gruppe trainieren.

Nach der anstrengenden ersten Trainingseinheit bereiteten uns unsere französischen Freunde in der Mittagspause ein ausgiebiges Essen in der sonnengetränkten Umgebung vor dem Dojo. Doch bevor es zum Verzehr von drei mit Hirse gefüllten Hammeln kam, gab es noch eine weitere Begrüßung durch einen Vertreter der Stadt Le Teich. Dieser dankte Horst Glowinski für die Leitung des Lehrgangs und sein Engagement fürs Aikido und die deutsch-französische Freundschaft. Als Geschenk wurde Horst ein handgeschnitztes Fischerboot aus der Region Arcachon überreicht. Eine lokale Musikkapelle belebte mit Blasmusik die Szene. Nach dem offiziellen Teil hatten nun alle Aktiven Hunger; die drei wohlschmeckenden Hammel durften „endlich“ angegangen werden und wurden ohne große Mühen verspeist. Während der Pause gab es die Gelegenheit zur ausgelassenen Konversation oder aber auch zu einem Sonnenbad.

Gut ausgeruht und gestärkt fand um 16 Uhr dann die zweite Trainingseinheit statt. Maître Horst zeigte ausschließlich Techniken mit dem Jo. Zuerst wurden Schlagkombinationen Jo gegen Jo und Kataformen trainiert. Danach ging Horst Glowinski zu Angriffen mit dem Jo und Fassangriffen auf das Jo über. Bei der einen oder anderen Technik wurde die Matte nun doch zu eng und so musste in zwei Gruppen trainiert werden. Die zweite Trainingseinheit ging im Eifer des Trainings doch schneller um als gedacht und so war dann um 18 Uhr leider schon Schluss.

Nach dem gemeinsamen Training ging es direkt ins Hotel und von dort aus unmittelbar zum gemeinsamen Abendessen mit unseren französischen Freunden. Das Abendessen fand in einem recht edlen Lokal im Hafenbecken von Arcachon statt. Vor dem Lokal wurden wir zu unserer Überraschung von einer kostümierten Gruppe Franzosen empfangen. Unsere Freunde hatten sich mit typischen Trachten aus der Region verkleidet und Horst Glowinski bekam zur Begrüßung ein Ständchen gesungen. Man kann hierbei von einer wirklich gut gelungenen Überraschung sprechen. An diesem Abend wurde noch ausgiebig gefeiert und jeder Teilnehmer hatte seinen Spaß.

Trotz des Feierns ging es am nächsten Morgen gleich weiter. Das bedeutete 8 Uhr Frühstück und 9.30 Uhr Training. Jetzt wurde es ernst: Die dritte Trainingseinheit hatte Techniken mit dem Messer zum Inhalt, welche von allen Beteiligten sehr intensiv und konzentriert ausgeführt wurden. Zuvor kamen noch einige Atemkraftübungen an die Reihe, die bei den französischen Aikidoka doch für Verblüffung sorgten. Auch diese Trainingseinheit verging wie im Flug. Und ehe man sich’s versah, gab es nach dem Trainingsteil die Danksagungen und natürlich auch die Lehrgangsgeschenke.

Neben Horst Glowinski, welcher den Lehrgang für alle Beteiligten sehr interessant gestaltet hatte, wurden weitere Aikidoka bedacht. So erhielt Ada Sell vom KSV Herne die Ehrenmitgliedschaft im Cercle d'Aïkido Traditionnel von Jean-Claude Rodriguez überreicht. Ohne ihr Engagement wäre der Kontakt mit Jacques Valère nie zustande gekommen. Darüber hinaus wurde unser Übersetzer Thomas Müller- Bochat ebenso mit einem Geschenk bedacht. Ohne Übersetzer ist ein solcher Lehrgang auf Dauer einfach nicht sinnvoll durchzuführen. Die Herner bedankten sich ebenfalls für einen hervorragend ausgerichteten Lehrgang mit einem japanischen Bonsai.

Als Fazit kann man sagen, dass der Lehrgang bei allen Beteiligten sehr gut ankam und aufgenommen wurde. Hervorzuheben ist sicherlich die Tatsache, dass man erkennt, dass der Geist des Aikido immer gleich ist, auch wenn es unterschiedliche Ausführungen geben mag. So wirkten einige für uns geläufige Techniken für die französischen Teilnehmer neu. Umgekehrt haben wir uns einige Ausführungsvarianten angeschaut, die wir sicherlich als „neue“ Formen mit in unser Dojo nehmen.

Nach dem Lehrgang gab es zur Stärkung zum Mittag wieder einen Imbiss. Hierbei konnten Kontakte gepflegt und Adressen für Fotos oder E-Mails ausgetauscht werden. Nach der Mahlzeit wurden wir dann von Sophie und Jacques zum Hafen von Arcachon begleitet. Dort hatte man für uns ein Boot gemietet, mit dem wir zu den Austernbänken hinausfuhren. Bei den Austernbänken gab es die traditionellen Fischerhäuser zu sehen, die auf Pfählen aufgestellt sind und zum Teil heute noch genutzt und bewohnt werden. Auf dem Rückweg fuhr unser Skipper die Küstenlinie entlang. Vom Wasser aus hatte man einen guten Ausblick auf die luxuriösen Villen, die entlang der Küste gebaut sind. Arcachon ist ein sehr nobles Pflaster, vielleicht in etwa vergleichbar mit Sylt.

Nach der Bootstour nahmen uns Sophie und Jacques zu einer Austernfarm mit. Nach einer kleinen Besichtigung mit ausführlicher Erläuterung der Produktionsprozesse von Austern kam dann die Kostprobe. Die ganz mutigen unter uns (sind wir das nicht alle?) konnten die absolut frischen Austern kosten. Dabei kam der eine oder andere auf den Geschmack. Der Herner Rekord lag bei zehn Austern. Zum Abschluss lud uns Jacques Valère ein, am nächsten Tag auf der Düne von Pilat mit dem Katana zu trainieren. Diese Einladung nahmen wir natürlich gerne an.

Am nächsten Nachmittag ging es dann los, zu einem weiteren Höhepunkt der Reise. Nachdem der Vormittag dazu genutzt worden war, Einkäufe zu tätigen oder am Strand zu promenieren, ging es um 13 Uhr in Richtung Düne. Dort angekommen, hatten wir kurz Zeit, uns die Umge- bung anzuschauen. Kurz darauf traf die Gruppe Franzosen ein, welche unter Leitung von Jacques Valère mit uns trainieren wollte. Doch bevor trainiert werden konnte, musste erst einmal die Düne bezwungen werden. Es ist doch relativ anstrengend, eine steile Sanddüne im Gi zu erklimmen. Doch zu guter Letzt hatten wir einen Platz auf der Düne erreicht, auf dem wir mit dem Training beginnen konnten.

Jacques zeigte zunächst einige Bewegungsformen des Schwertziehens. Allein diese gestalteten sich schon schwierig in der Nachahmung. Man musste Sabakibewegungen im tiefen Sand und gleichzeitig am Hang ausführen. Dies wurde dann nochmals schwieriger, als Jacques Techniken mit Partner zeigte. Alles in allem war das Training ein wirklich außerordentliches Erlebnis, welches sicher von keinem der Teilnehmer vergessen werden wird und leider so schnell auch nicht wiederkommt. Das schöne Wetter an jenem Tag tat ein Übriges. Und so hatte dieser einen optimalen Ausklang.

Der Rest der Woche stand unter dem Slogan „Urlaub machen“. So wurde ein Ausflug nach Bordeaux organisiert, der ornithologische Park von Le Teich besichtigt und am Strand gefaulenzt. Donnerstagnacht ging es wieder in Richtung Heimat. So nahm eine wirklich unvergessliche Woche ihr Ende. Eine Fotogalerie der Reise findet sich unter www.aikido- herne.de/aikido/.

Carsten Rosengarth, KSV Herne 1920 e. V.