Deutscher Aikido-Bund DEUTSCHER AIKIDO-BUND e.V.

Wie jedes Jahr im Sommerurlaub gehörte auch dieses Jahr wieder der internationale Lehrgang der Confédération Européenne d’Aïkido zu den Dingen, die ich auf keinen Fall verpassen wollte, sind doch viel Sport und viel Spaß stets garantiert. Dieses Jahr fand der Lehrgang in Rumänien statt, ein Land, das ich schon immer bereisen wollte. Poiana Brasov, ein kleiner Ort in den Karpaten, liegt in Siebenbürgen (Transsilvanien) und ist im Winter ein beliebtes Ski-Paradies. Die nächstgrößere Stadt ist Brasov, in Deutschland eher bekannt unter dem Namen Kronstadt. In Brasov fühlte ich mich fast wie im Schwarzwald, schließlich ist es eine von Deutschen gegründete Stadt, was sich in der wunderbaren Architektur widerspiegelt.
Zum Lehrgang waren ca. 70 Teilnehmer aus fünf Ländern angereist. In der Mehrzahl waren natürlich die Rumänen, doch auch Großbritannien und Frankreich waren u. a. durch die Meister Nigel Vaughan und Michel Martin vertreten, die einige auch von Lehrgängen in Deutschland kennen. Ich war diesmal die einzige Deutsche. Aus der Türkei war ein sehr netter Aikikai-Meister angereist, mit dem wir uns blendend verstanden und unterhielten, obwohl er nur türkisch sprach und wir alle kein türkisch konnten. Aikido schweißt halt zusammen und baut Brücken.
Da das Dojo relativ klein war, wurde die Gruppe der Lehrgangsteilnehmer diesmal öfter geteilt. So hatten wir Danträger immer morgens drei Stunden Training, die Kyu­grade am Nachmittag. So konnten wir differenziert dem Niveau entsprechend arbeiten. Die Haupttrainer war Meister Dan Ionescu, 9. Dan, welcher der Präsident der CEA und Chef der Rumänischen Aikido-Födera­tion ist. Meister Ionescu zeigte wieder eine Fülle von Techniken, erklärte aber stets, dass das Wichtigste das Ausweichen und Umlenken des Angreifers ist und dass aus bestimmten Positionen eine Vielzahl von Techniken möglich sind, ob mit Waffe oder ohne. Er ermunterte uns auszuprobieren. Wenn ich den Kopf dann außen vor ließ, ergaben sich wirklich etliche Dinge, die durchaus mit Aikido zu tun hatten. Doch um den Körper so intuitiv reagieren zu lassen, bedarf es natürlich schon einiger Vorerfahrungen.


Koshi-nage mit Meister Nigel Vaughan

Das Training für die Kyugrade war denn auch stärker an vorgegebenen Strukturen orientiert. Die Meister Martin und Vaughan übernahmen diese Trainings. Nigel nahm sich wieder des Koshi-nages an und zeigte eine methodische Reihe für sicheres Fallen aus dieser Technik. Auch die Arbeit mit den Waffen kam nicht zu kurz. Meister Ionescu zeigte und erklärte im gemeinsamen Training die Vor- und Nachteile verschiedener Stellungen und Positionen unter dem Aspekt der Sicherheit. Mit dem Schwert reicht eben ein Treffer, um den Angreifer auszuschalten oder um selbst ausgeschaltet zu werden. Neben konkreten Techniken Waffe gegen Waffe übten wir auch Teile von Waffenkatas, die für mich neu und interessant waren.
Am Dienstag konnte man sich an Waffenkatas satt sehen, da im Rahmen des Seminars wieder der jährliche internationale Katanawettbewerb stattfand, bei dem jeder Teilnehmer eine vorgegebene Kata und eine selbst entwickelte Kata vorführt. Den Bokkenwettbewerb gewann ein junger Franzose, den Katanawettkampf Meisterin Gabriela Fratila aus Rumänien. Beide legten eine wahrhaft martialische Haltung und perfekte Techniken an den Tag – ein Augenschmaus.
In der Freizeit kümmerten sich die Rumänen rührend um uns. Gab es mal ein Problem, hieß es:  „Don’t worry. We will arrange that.“ Und 10 Minuten später war alles geklärt und eine Lösung gefunden. Dank unserer rumänischen Aikidoka konnte ich die wunderbare Stadt Brasov und Teile der Umgebung kennen lernen, die Berge besteigen und die Aussicht genießen, mich nach einer wohltuenden Sauna im Pool abkühlen und vor allem mich unterhalten und neue Freunde finden. Ich weiß, ich werde wieder mal hinfahren, spätestens zum nächsten internationalen Lehrgang dort. Und sicher trifft man sich auch mal in unserem Lübecker Dojo.

Frauke Drewitz,
Uni-Dojo Zanshin Lübeck e. V.